Mein Yoga – ohne Studio und ohne Ziel – ist wie Musik

Oft habe ich mir die Frage gestellt: Warum nicht ein Yogastudio eröffnen? Weder an Wissen noch an Startkapital mangelt es.

Aber die Sache ist die: Ich will kein Unternehmen führen. Ich will Musik machen.

Meine Musik Lehrerin würde, ob dieses Satzes aus meinem Mund, die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Einst stellte sie mich bei der Choraufführung in die letzte Reihe und drückte mir eine Triangel in die Hand: „Astrid, Mund auf und zu, aber lass keinen Ton raus. Am Ende schlägst du einmal die Triangel.“ Aber heute sage ich: Ja richtig, wenn ich Yoga unterrichte, erschaffe ich mit der ganzen Gruppe Musik. Wen kümmert es, ob die Triangel damals rechtzeitig ertönte. Auch heute enden meine Stunden nie pünktlich, sondern erst dann wenn ich es für richtig empfinde euch aus Savasana zurückzuholen.

 

Ein Yogastudio ist ein Unternehmen und es ist wie es ist, dieses Unternehmen muss sich auf dem Markt behaupten und seinen Spielregeln folgen. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Oft kämpft man mit Masse um einen positiven Cash Flow und das Überschreiten des Break Even Point.

 

Mein Yoga will sich nicht behaupten und schon gar nicht kämpfen. Es will fließen auf allen Wegen und Irrwegen. Mein Yoga will nicht planen. Nicht dran denken was gut gehen könnte und was nicht.

Mein Yoga ist nicht vorhersehbar. Nicht für mich und nicht für meine Schüler. Manchmal sage ich: “Es wird eine sanfte Stunde“, und dann lassen alle so sehr los, dass Kräfte frei werden und wir schwenken um in eine kräfteabverlangende Anstrengung. Manchmal denke ich mir: „Heute geben wir ein wenig Gas.“, und dann stelle ich fest, das passt heute gar nicht und wir bewegen uns nur sanft dahin. Manchmal dauert es eine Stunde bis wir bei den Sonnengrüßen angelangt sind und manchmal lassen wir sie ganz aus.

 

In der Yogalehrer Ausbildung lernt man den sinnvollen Aufbau von Stunden, wie man auch auf der Wirtschaftsuni den Aufbau eines Unternehmens lernt. Beides habe ich gelernt aber alles wieder vergessen wenn ich unter der Buddha Statue im Mandalahof sitze und den Rahmen für die Yogastunde vorgebe.

 

Die meisten Yogastudios leben von der Masse. Ich will nicht davon leben sondern maximal mit ihr – und auch das fällt mir manchmal schwer. Ich will mein Yoga nicht als Konsum sehen und nicht als solchen erleben. Deshalb gibt es bei mir keine Schnupperangebote, kein 30 Tage für 30 Euro, kein Kommen und Gehen. Stattdessen gibt es eine gewisse Disziplin, kleine konstante Gruppe an deinem fixen Yogaabend und das ist sehr hilfreich um in dein Leben zu integrieren, was ich Yoga nenne. Das ist fernab der Mahü, fernab deiner Todo Liste an Freizeitaktivitäten und fernab deines Lebens in der Tretmühle in der man Yoga noch unterbringt, weil man sich ja noch was Gutes zu tun muss.

 

Ich sage Workshops an für die sich niemand anmeldet und Workshops, die nach Wartelisten verlangen. Nie weiß ich, ob meine Kurse zustande kommen und wo ich im nächsten Semester unterrichte werden und all das ist gut so, denn so bleibt die Freude über das was Fließen soll und was eben nicht! Manchmal habe ich große Pläne und bin in einer Euphorie und dann stelle ich mittendrinnen plötzlich fest, das wird mir zu viel. Dann lass ich es gut sein. Nichts soll man müssen, wenn es sich nicht gut anfühlt. Und genau das ist es was du auch von mir lernen sollst, auf deinen Körper und dein Herz zu hören. Egal was die anderen denken oder sagen.

 

Meine Kurse haben kein Asana- oder Pranayama-Ziel. Da ist mein Yoga wie Meditation. Ziel-los!

Ziele sind auf die Zukunft ausgerichtet und mein Yoga findet nicht in der Zukunft statt, sondern nur im Jetzt. Was in diesem Moment passiert - mit deinem Körper, deiner Atmung und deinem Geist - das zu erfahren und zu erleben, ist das einzige Ziel, falls es für dich eins geben muss. Für mich gibt es das nicht. Wenn ich mir schon zum Beginn der Stunde überlegen würde, was du am Ende der Stunde fühlen sollst, dann habe ich mein Verständnis von Yoga schon verfehlt. Am Beginn der Stunde bin ich glücklich, dass du da bist und auch ich. Am Beginn der Stunde kommen wir beide im Moment an. Während ich dich durch den Body Scan begleite, vergisst du deinen Arbeitstag und ich auch meinen. Wir legen langsam die Schalter um. Was dann folgt ist zum einen gewisse Routine aber vor allem ein Spüren was sich jetzt gut anfühlen könnte und was harmonisch ist. Daher liegt neben mir fast nie ein Zettel mit der Stundenabfolge, weil alles aus dem Moment heraus passiert. Immer nehme ich mir vor, dir in Savasana eine meiner Geschichten vorzulesen, nie weiß ich vorab welche und manchmal lass ich einfach nur Stille oder ein Musikstück zum Stundenausklang den Raum erfassen.

 

In seltenen Momenten ist mir danach ein Mantra zu singen.

Wenn ich das tue, dann aus reinstem Herzen ohne Bedacht auf die richtige Tonlage (kriege ich eh nie hin) oder was du über dieses eigenartige Yoga-Element denkst.

 

Manchmal sogar lade ich dich ein mit mir ein Om zu tönen, aber auch das braucht es nicht, damit du wahrnimmst

 

 

„Du kannst ganz bei dir sein und trotzdem Teil des Ganzen.“

 

 

Das ist Pinkzebra Yoga.

 

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